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Wirtschaftswandel - der Aufruf.

Für eine naturwürdige, menschliche, artenreiche und gesunde Wirtschaft

Von Suzane Brunner Zeltner

Es ist unübersehbar: auf unserem Planeten herrscht ein Ungleichgewicht und ungesundes Chaos. Unsere Wirtschaft ist zur neuen Religion mutiert und strebt hauptsächlich nach einer Profitmaximierung auf Kosten der Natur. Zu viele Menschen unglücklich einer Arbeit nach. Um sich davon zu erholen, lassen sie sich krankschreiben. Die Krankheitskosten explodieren Jahr um Jahr. Der unachtsame und unbewusste Umgang mit sich selbst, lässt viele in ein Burnout rasseln. Das Vertrauen in ein menschliches und verbindliches Miteinander schwindet. Übermässiges und achtloses Beziehen und Verschwenden von Ressourcen gehört zur Tagesordnung.

All dies ist aus meiner Sicht nur möglich, weil wir uns von unserer eigenen Natur und der uns umgebenen Natur abgespalten haben. Wir verbringen zu viel Zeit in der Digitalen Welt und in klimatisierten Räumen, statt einander im realen Leben zu begegnen. Wir verbringen zu wenig Zeit in der kostbaren Natur, atmen frische Luft ein, bewundern die Schönheit von Blumen, hören dem Rascheln der Bäume zu und empfinden schlicht und einfach Dankbarkeit darüber auf diesem wunderschönen Planeten leben zu dürfen. Wir haben schon fast vergessen, dass auch wir Menschen ein Teil der Natur - ja sogar ihre Kinder - sind.

Durch unsere Abspaltung als Menschen von der Natur haben wir unsere Wurzeln - unseren inneren Halt - verloren. Statt den in uns innewohnenden und wirkenden Werte-Kräften bewusst zu sein, jagen wir Statussymbolen nach, die uns glücklich machen sollen. Unsere Werte sind jedoch wegführend und wegleitend: Sie formen kraftvoll jegliche System in der Wirtschaft und Gesellschaft und natürlich beeinflussen sich auch unseren Umgang mit der Natur, was sich wiederum auf unsere Kultur abfärbt.

Wir gemeinsam sind verantwortlich für alles was ist und besteht.

Wollen wir weiterhin die «Schuld» den anderen geben, die Verantwortung von uns weisen und die Illusion, «ich als einzelner Mensch kann nichts verändern» durch Wiederholen und Festhalten bekräftigen? Wollen wir das wirklich - für uns selbst und für unsere Kinder? Wollen wir weiterhin wegschauen und unser Lebensfeuer langsam aber sicher ersticken lassen?

Ich nicht. Ich stelle mich in den Dienst für eine naturwürdige, menschliche, artenreiche und gesunde Wirtschaft.

Einer für mich sinnvollen, erfüllenden, guten, spannenden, entwicklungsfähigen, beweglichen, kreativen, abwechslungsreichen, nützlichen und erst noch für mich wertvollen Arbeit nachgehen zu können, ist für mein Leben und mein Arbeiten essenziell. Ich TUE gerne! Und mit mir viele andere auch.

Im momentan herrschenden Arbeitssystem werden kaum derartige Stellen ausgeschrieben. Und doch gibt es mehr als genug wunderbare Arbeits- und Wirkungsfelder. Für jeden der will und sich eigenverantwortlich dafür einsetzt. Es ist möglich, für sich selbst eine Aufgabe zu gestalten, welche perfekt zum eigenen Wesen, mit allen Vorlieben, Talenten, Eigenarten und sämtlichem Unperfektsein, passt.

Nehmen wir uns Zeit die Natur zu beobachten erkennen wir schnell, wie im Ökosystem der Natur jedem Wesen einen Sinn und eine Aufgabe innewohnt. Und diese Aufgabe erfüllt jedes Wesen voller Innbrunst. Da ist keine unzufriedene Biene die sich bei der Blume über ihren Blütenstaub beklagt. Auch ist mir noch keine unmotivierte Ameise begegnet oder ein Specht der lieber im Teich fischt statt seine Nahrung im Holz erklopft. Jedes andere Wesen ausser dem Menschen, ist sich selbst und entfaltet sich voll und ganz seinem Naturell entsprechend.

Folglich ist es für uns Menschen verheerend uns in Systemen zu bewegen, welche uns die Luft zum Atmen nehmen und unserem Naturell, weder Raum noch Berechtigung und noch weniger Beachtung schenken. Da fehlt jedem sein eigenes Lebenselexir!

Für dieses Lebenselexir sind wir Menschen jedoch eigenverantwortlich. Es ist möglich auch ohne langjährigem Studium oder Ausbildungsweg auf einem bestimmten Gebiet zu einem Spezialisten oder Experten heranzuwachsen, seinen ultimativen und naturgegebenen Platz einzunehmen und dabei erfüllt und erfolgreich zu sein. Das Leben selbst wird dafür schauen, wenn wir uns unserer Essenz verpflichten. Jeder Mensch ist mit seiner Berufung und seinem damit verbundenen Weg einmalig vorkommend im ganzen Universum.

Tief in uns Menschen ist diese Weisheit abgespeichert und deshalb gibt es auch so viele Suchende: Suchende nach dem ultimativen Kick, Suchende nach dem Sinn des Lebens, Suchende nach dem Glück, Suchende nach dem grossen Erfolg, Suchende nach der grossen Liebe, Suchende nach Macht, Suchende nach Schönheit, Suchende nach Bestätigung, Suchende nach Befriedigung jeglicher Art, welche überall anders zu finden sein soll – als im eigenen Leben und in einem Selbst.

Zurzeit befinden wir uns an einem Wende-Punkt. Alles ist extrem und «too much» – egal auf welcher Seite der Medaille.

Es herrscht ein Kampf zwischen Gross und Klein, Arm und Reich, Dick und Dünn, sogar Fleischessern und Veganern, Kopf- und Herzmenschen, Männern und Frauen.

Solange wir jedoch kämpfen, wird es immer nur wenige Gewinner und viele Verlierer geben.

Ich bin dieses Kampfes müde. Wann werden wir als Menschheit erwach(s)en? Unsere Gesellschaft ist im Jugendwahn stecken geblieben. Vielen fehlt es an Wurzeln, einem SelbstSinn und einem Happy-Place, wo sie sich wohl und sicher fühlen, endlich ankommen und seine Essenz entfalten kann.

Derweil fokussiert sich die Industrie mit ihren Erzeugnissen vorwiegend auf die «ewige Jugend» und materielle Statussymbole. Dabei versucht sie mit gesättigten Fettsäuren und künstlichen Süssstoffen den inneren Hunger und Durst zu stillen.

Wollen wir dieses ungesunde System freiwillig aufrechterhalten? Ich nicht und deshalb setze ich mich von ganzem Herzen für eine gesunde, naturwürdige, menschliche und vielfältige sowie faire Wirtschaft ein, in welcher jeder Mensch mit seinen einzigartigen Gaben und Talenten willkommen geheissen wird.

Wie können wir eine gesunde Wirtschaft einleiten?

In dem wir aufhören, das «Recht-haben-Spiel», das «Du-bist-schuld-Spiel» und das «Ja-aber-Spiel» aufrecht zu erhalten und zu nähren.

Wir verlieren so viel Zeit und Energie damit, anderen beweisen zu wollen, dass wir im Recht sind: Konntest du schon jemals einen Menschen von deiner Sichtweise überzeugen, der eine andere Meinung vertrat als du? Hat jemals eine Politsendung die beiden Seiten einander näher gebracht und Verständnis geschaffen? Ich habe aufgehört diese Sendungen zu schauen, weil es mich weder inspiriert noch ermutigt, ein besserer Mensch zu werden. Im Gegenteil, sie nähren das globale Gedanken-Gut: «es bringt sowieso nüt...».

Jeder Mensch hat seine Lebensgeschichte und diese Lebensgeschichte beeinflusst sein Denken, seine Handlungen und seine Gefühle. Jegliches «Rechthaben-Spiel» ist demnach absurd, denn Roland hat seine Lebensgeschichte und Gabriela hat eine andere Lebensgeschichte, sowie Marina und Suzane auch. Nur schon dies zu erkennen und zu respektieren, schafft Platz für ein kreatives und gesundes Wirkungs- und Gestaltungsfeld, welches wir für den Wandel dringend benötigen.

Jeder einzelne Mensch ist Teil der grossen Menschen-Familie

Jeden Tag  haben wir die Wahl was wir konsumieren, was wir verkaufen, wie wir produzieren, welche Wahrheiten wir vertreten und Glauben schenken wollen.

Es ist an der Zeit unsere Denkmuster und Verhalten zu reflektieren und zu «überfühlen». Die Zeit ist da unsere inneren Kinder, mit dem Teil in uns, der an das Gute und an Wunder glaubt, zu verbinden um lebensbejahende und entfaltungsfördernde Systeme zu gestalten. Auch für Generation nach uns.

Jetzt sind wir alt genug, hätten das Recht und die Möglichkeit: Lasst uns die Freiheit nutzen um unsere Welt gemeinsam in Ordnung zu bringen und ihrer wahrer Schönheit Platz zu machen!

Anfangen können wir mit unserem eigenen Leben, ich kann es nicht genug wiederholen.

Lasst uns gemeinsam eine Welt erschaffen, welche wir unseren Kindern und Kindeskindern gerne und mit einem guten Gefühl übergeben. Alles was wir an Materiellem brauchen ist da.

Das Land ist da. Die Menschen sind da. Die Ressourcen sind da. Das Geld ist da. Die Macht ist da. Ist auch der Wille da?

Nun braucht es unsere freiwillige und innere Bereitschaft den Wandel umzusetzen. In kleinsten Minischrittchen jeden Tag ein bisschen mehr wahr werden lassen. Daran kann sich jede und jeder beteiligen, an dem Ort wo er oder sie sich gerade aufhält, ohne ein «Ja-Aber».

Sind wir mutig genug, etwas im Grunde so Logisches endlich einzuleiten?

Wie wir unsere Zukunft gestalten wollen und von welchen Werten wir uns steuern lassen möchten, liegt in unseren Herzen, unseren Händen und unseren Köpfen.

Unsere Wirtschaft ist zur neuen Religion mutiert. Vor 500 Jahren reformierte Zwingli die Kirche. Heute ist es an der Zeit, die Wirtschaft zu reformieren.

Denn jetzt gerade spielt es keine Rolle, wer Schuld am herrschenden Ungleichgewicht in unserer Wirtschaft und in unserer Welt ist. Das ungesunde «Du-bist-schuld-Spiel» ist ebenfalls eine Never-Ending-Story und hält uns von unserem gemeinsamen Nenner fern.

Viel wichtiger ist gerade, WAS WIR JETZT LEBEN wollen. WOHIN WIR JETZT STEUERN möchten. WIE wir die NEUE MENSCHHEITSVISION GEMEINSAM umschreiben und uns auf den Weg dahin machen.

Dazu braucht es das Mitsein und Mittun jedes Einzelnen. Und einen radikalen Stopp des «Rechthaben-Spiels», des «Du-bist-schuld-Spiels» und des «Ja-aber-Spiels», damit wir endlich dem Raum geben können, was uns wirklich wichtig ist, uns allen dient und für uns alle von wahrem Wert und Bedeutung ist.

Ich will die Wirtschaft reformieren.

Zwischen Mittagessen kochen, Muttersein und als Unternehmerin, Visionärin und Coach schreibe ich diese Zeilen, denn die Menschheit leidet an innerem Hunger und Durst. Unternehmen brauchen neue und gesunde Visionen, verbunden mit bewussten Werten, welche wahrhaftig gelebt werden und im Einklang sind mit unserem Aller-Zuhause, dem Planeten Erde.

Denn die Natur ist die BASIS jeglicher Wirtschaft – ohne Natur gäbe es keine Wirtschaft.

Der Wirtschaftswandel ist ein Prozess der Zeit braucht. Kein Apfel erschafft sich direkt von der Blüte ins seine Grösse und Süsse... So ist jeder einzelne Mensch ist mit seinen Talenten und Möglichkeiten aufgerufen, seinen Beitrag zu leisten und seine Gaben zu teilen. Es gibt so viel Schönes für jeden zu tun. Auch für dich lieber Leser. Lasst uns aufhören mit den ungesunden Spielen und die «Ja-Aber»-Ausreden ausgehen. Wer fehlerfrei ist, werfe weiterhin Steine.

Wir sind alles Töchter und Söhne und Teil der einen grossen Menschen-Familie. Dies haben wir für eine lange Zeit vergessen. Erinnern wir uns daran, wird unser Handeln anders sein. Wenn wir Titel, Ausbildungen, Masken, Spielchen und Statussymbole hinter uns lassen, sind wir schlicht und einfach: Menschen. Menschen, die durch Fehler machen erst erkennen können, was wir künftig leben wollen und was nicht. Lernen und Fehler machen gehört zum Menschsein. Wenn wir uns dies selbst erlauben, können wir Fehler auch anderen zugestehen und die Waffen endlich niederlegen.

Die Natur wird uns liebevoll wie seit eh und je durch den (Wirtschafts-)Wandel tragen.

Indem wir uns erlauben unsere eigene Natur und Essenz zu entfalten, werden wir die Natur in die Wirtschaft natürlicherweise einbinden wollen. So wird uns der Wandel ganz natürlich gelingen und von Würde, Menschlichkeit und Schönheit durchtränkt sein.

Indem wir der Natur ihren rechtmässigen Platz freiwillig zurückgeben, werden wir unsere eigene Natur, Kraft und Schönheit zurück erhalten. Jeden Tag ein bisschen mehr und mehr und so gut es uns gerade möglich ist.

Suzane Brunner Zeltner - 06.01.2018

  • Der Wirtschaftswandel –  am 21. März 2018. Teilsein...
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Indem wir die Verantwortung für das Jetzt übernehmen, sind wir der Verantwortung für die Zukunft gewachsen.

Suzane Brunner Zeltner: Gründerin Delphias Berufungsschule, Dipl. MasterCoach, Öko-Unternehmerin
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